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Südkoreanisches Dorf wird dank 5G zum Smart Village

Seoul/Daeseong-dong (dpa) – Daeseong-dong hat viele Namen. Neben der eher propagandistischen Bezeichnung «Freiheitsdorf» nennen es die Südkoreaner auch «Insel im Land» oder «Dorf ohne irgendwas». Ein Name kommt jetzt hinzu: das weltweit erste «5G-Dorf».

Die Anbindung an das superschnelle Mobilfunknetz seit Juni dieses Jahres dank der auch werbewirksamen Unterstützung des Mobilfunkanbieters KT macht den isoliert liegenden Ort an der Grenze zu Nordkorea zu einem Smart Village, einem intelligenten Dorf mit High-Tech.

Knapp 200 Menschen leben dort. Ihr nach außen hin friedlich wirkendes Dorf, das etwa 50 Kilometer nördlich von Seoul liegt, ist seit dem Ende der Korea-Kriegs (1950-53) einer der am strengsten bewachten Orte im Süden der koreanischen Halbinsel.

Daeseong-dong ist die einzige zivile Siedlung von Südkoreanern in der vier Kilometer breiten und 250 Kilometer langen demilitarisierten Zone (DMZ), die beide ideologisch verfeindeten Staaten von militärischen Feindseligkeiten abhalten soll. Die nordkoreanische Seite der DMZ ist nur einen Steinwurf weit entfernt.

Die derzeit 46 Haushalte sind überwiegend auf die Versorgung von außen angewiesen. Es gibt keinen Supermarkt und keine Arztpraxis. Die Unterhaltungsmöglichkeiten für die meist älteren Bewohner halten sich in Grenzen. Jeder Besuch von außen wird streng kontrolliert.

Doch die Dorfbewohner können bereits das beste Netz nutzen, das es derzeit gibt. Das Mobilfunknetz der fünften Generation ermöglicht vielfach schnelleren Datentransfer mit fast sofortiger Verbindung zwischen mehreren Geräten. «Wir hoffen, dass KTs 5G-Dorf das Leben und die Sicherheit der Bewohner stark verbessert», versprach KT-Chef Hwang Chang Gyu. Von den Bewohnern und Dorfchef Kim Dong Gu hört man vor allem eins: 5G macht das Leben bequemer und einfacher.

Die Anbindung von Daeseong-dong ist Teil des Projekts «Giga Story», das KT vor fünf Jahren ins Leben rief, um abgelegenen Gegenden den Zugang zu schnelleren Netzen zu verschaffen. Im April dieses Jahres aktivierten dann KT und die einheimischen Rivalen SK Telecom und LG Uplus ihre 5G-Dienste – weltweit war es der erste Start für den 5G-Massenmarkt.

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Die Dorfbewohner, von denen der größte Teil von der Landwirtschaft lebt, genießen zwar Steuerfreiheit sowie ein relativ hohes Einkommen, und die Männer sind vom Militärdienst befreit. Doch für sie alle gilt nach wie vor eine nächtliche Ausgangssperre. Sie müssen sich mindestens acht Monate im Jahr im Dorf aufhalten, sonst droht das Wohnrecht zu verfallen.

Der Aufbau von Smart-Farmen erlaubt den Betreibern jetzt, ihre Felder aus der Ferne zu überwachen und zu bewässern. Jetzt reiche meist ein Knopfdruck, sagt der Landwirt Kim Yong Seob, als er demonstriert, wie durch ein Smartphone-App die Bewässerungsanlage auf einem Feld anspringt. «Ich kann die Äcker selbst von Seoul aus kontrollieren, es ist alles viel bequemer als vorher.»

Neben Reis, Sojabohnen, Paprika und anderen Pflanzen lassen sich jetzt laut Kim sogar Erdbeeren, die vorher nie in Daeseong-dong wuchsen, züchten. Auch die Tore der zwei Kilometer entfernten Wasserpumpstation öffnen und schließen sich jetzt per Befehl vom Verwaltungsgebäude des Dorfes aus, vorher waren beim Gang zur Pumpe stets Soldaten dabei. Jedes Haus verfügt über einen Alarmknopf. Wird der im Notfall gedrückt, zeigt das Kim Dong Gu auf dem Monitor an, wo der Alarm ausgelöst wurde.

Selbst der Schulsport und der Unterricht in der einzigen Schule in Daeseong-dong kann dank 5G in einer neuen Dimension erlebt werden. Die nur 30 Schüler der Grundschule, die hier bis zur 5. Klasse reicht, lernen nicht nur früh, zwischen virtueller Realität (VR) und erweiterter Realität (AR) zu unterscheiden und was Mixed Reality (MR) und künstliche Intelligenz (KI) bedeuten, sie lernen auch den Umgang mit Smart-Geräten. Zum Unterrichtsstoff der «Giga School» gehört das Schreiben von Softwareprogrammen für KI-Inhalte. Die elfjährige Lee Da Eun aus der 5. Klasse führt ihr Programm vor, das eine virtuelle Tour durch das Dorf per VR-Brille ermöglicht. «Du kannst alles mit den Augen erleben, und du kannst kreieren, was du willst.»

Der Kontrast zwischen dem 5G-Dorf und der gegenüber liegenden Siedlung in Nordkorea könnte größer nicht sein. In Kijong-dong leben dauerhaft keine Zivilisten, sagen Militärs, es ist nur Kulisse. Zwischen beiden Dörfern befindet sich die von Stacheldrahtzäunen umgebene militärische Demarkationslinie.

Vom Dach der Town Hall in Daeseong-dong lassen sich über ein AR-Touchscreen Details in Kijong-dong besser erkennen. Unübersehbar für das normale Auge ist der mit 160 Meter absurd hohe Fahnenmast mit der nordkoreanischen Flagge in Kijong-dong. In Südkorea schaffte es der Mast nur auf knapp 100 Meter. Ein kurzer Druck auf den AR-Monitor und der Betrachter kann den Verlauf des «Flaggenkriegs» auf dem Monitor nachverfolgen.

KT zu Daeseong-dong

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